Meine Lesung vom 15.01.2015

Morgens kam mein Doc, untersuchte mich, reinigte den Port und gab mir die Cortison-Infusion.
Das alles ging recht schnell und ich fühlte mich nach kurzer Zeit wie frisch geboren, fast als sei ich geheilt. Um 13 Uhr kam Raven. Kaum dass sie da war, war die Stimmung eine unheimlich Gelassene. Wir redeten, tranken Kaffee und Saft, aßen etwas Kuchen und warteten auf meine Freundin.
»Ich habe euch was mitgebracht.«
Andrea bekam Pralinen, ich Tee und eine wunderschöne Tasse dazu.
»Lebensfreude«, strahlte Raven mich an, zeigte auf die Verpackung und sagte, »ich hoffe du trinkst ihn trotzdem.«
»Ja klar«, lachte ich, »Lebensfreude kann man nie genug in sich haben.«
 
Gegen 18 Uhr machte ich mich langsam fertig. Dann ging es auch schon los. Raven fuhr uns zur Bibiliothek, wir gingen durch den Hintereingang und gelangten direkt in den gemütlichen Leseraum. Ich war total überrascht. Das Team begrüßte uns freundlich. Nach und nach kamen die Gäste. Der kleine Raum, der für ca. 20 – 25 Leute reichte, füllte sich. Andrea stellte mich dem Publikum vor, bedankte sich für die Organisation und auch für die wirklich tolle Atmosphäre. Raven saß in der ersten Reihe, was mir ein gutes Gefühl gab. Meine Freundin nahm auf der kleinen Treppe zur Bibliothek platz, auch sie wähnte ich gern in meiner Nähe. Die Frau von meinem Arzt saß in der Mitte und winkte mir kurz zu. Ich hatte gar kein Lampenfieber, schlug das Buch auf, begrüßte kurz die Leute und begann einfach mit dem Kapitel: In meinem Fenster brennt noch Licht.
Die Stimmung war wow, wie mir zugehört wurde, wie die Menschen sich mitnehmen ließen, meiner Reise durch die Kapitel folgten … es war so toll. Nach 30 Minuten schlug ich das Buch zu:
»Es folgt eine kurze Pause, Sie können sich jetzt gerne in den Snackbereich begeben, eine Kleinigkeit essen oder trinken, es geht gleich mit »Ich wünsche mir Worte« weiter.
Applaus, Komplimente, ich fühlte mich zum ersten Mal als Schreiberin angenommen, verstanden, tief berührt. Nach der Pause erhielt ich die gleiche Aufmerksamkeit zurück, wieder fühlte ich, wie die Menschen mir durch meine Zeilen folgten. Unbeschreibliche Gefühle, die so wohl nur durch Live-Lesungen zu erreichen sind, durch die Nähe zum Zuhörer. Ich allein kann diesen Abend gar nicht in angemessene Worte fassen, aber er war fantastisch. Dieser kleine Raum, der Applaus, meine Söhne, die mir stolz entgegenlächelten, Raven, die mir zunickte, mich drückte, mir sagte:
»Ich bin so froh, dass ich dabei war«, und dann noch jemand, der da saß, unter den Menschen, die Beine übereinandergeschlagen, lächelnd, stolz, mir zuflüsternd:
»Ja, my Lady, ja« …
… mein Andersmann, der nur mir erschien.

Trauer ist mehr als nur Schmerz und viele Tränen. Sie ist auch, das Glück zu teilen, welches in Erinnerung lebendig bleibt und Bestand erfährt.

3 Kommentare:

DieguteFee hat gesagt…

Glückwunsch! Ach schön, dass es so war, wie du es dir gewünscht hast, ich wusste es *

Anonym hat gesagt…

Liebste Silvi,
ich freue mich sehr für Dich,
dass es mit der Lesung so gut gelaufen ist...
Das scheint mir doch ein voller Erfolg gewesen zu sein, wozu ich Dir ganz herzlich gratuliere..smile*
Und natürlich wäre ich wirklich auch gern dabei gewesen.
GGlG Louis :-)

Silvi B. hat gesagt…

Ich weiß, wie gern du dabei gewesen wärst und wie sehr ich mich gefreut hätte, weißt du :D Aber die Lesung war toll, die Zuhörer waren es und die unglaublich schöne Stimmung. Ich drücke dich Louis. Deine Silvi

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